Pressemitteilung schreiben: Typische Fehler

Gratulation! Sie haben ein tolles Produkt, ein Firmenjubiläum, der neue Standort wird eingeweiht oder ihre besondere Dienstleistung kennen noch zu wenig potentielle Kunden. Das soll sich ändern und Pressearbeit kann ihnen wirklich effektiv und schnell dabei helfen.

Die erste Pressemitteilung schreiben

Eine Pressemitteilung zu schreiben, ist eigentlich gar nicht so schwer. Jeden Tag werden in Deutschland einige tausend Pressetexte verfasst und auf dem Weg zu diversen Medien versendet. Ihre erste Pressemeldung ist heute auch dabei und Sie können es kaum erwarten, über ihr Unternehmen einen Artikel in der Zeitung zu lesen. Doch im Verlauf der nächsten Tage stellen Sie fest: Kein Journalist ruft Sie an, der Text wurde nirgendwo abgedruckt oder in einem Portal online veröffentlicht.

Was ist da falsch gelaufen?

So einfach ist nun doch nicht. Um zu verstehen, welche Prozesse da im Hintergrund ablaufen, möchte ich mit Ihnen einen Blick in eine typische Redaktion eines regelmäßig erscheinenden Fachmagazins oder einer Tageszeitung werfen. Mittlerweile habe ich über 30 Jahre bei den verschiedensten Medien- und Verlagshäusern als Volontär, Redakteur und Leitender Redakteur gearbeitet. Glauben Sir mir, ich weiß wovon ich rede.

Jeder Millimeter Papier einer Zeitung oder in einem Magazin, jede Sekunde einer Sendung kostet viel, viel Geld. Würden Sie sich einen Anzeigenplatz kaufen, wäre ihre Information natürlich veröffentlicht, aber zu einem Preis von vielen hundert oder tausend Euro. Redakteure müssen daher sehr genau auswählen, ob gerade ihre Pressemitteilung es im wahrsten Sinne des Wortes “wert” ist, abgedruckt zu werden.

Früher hatte ich es mir angewöhnt, immer eine Stunde früher in die Redaktion zu kommen. Warum? Um in Ruhe die ganzen E-Mails zu lesen, denn in meinem Postfach kamen die Pressemitteilungen rein. Die E-Mail macht es möglich, dass neben den Agenturmeldungen und sonstigen Nachrichtenquellen einige hundert Pressetexte in jeder Redaktion täglich gelesen und bewertet werden müssen. Ein geübter Journalist scannt diese Mails schnell und effektiv durch und erkennt mit einem Blick, welcher Pressetext einen interessanten Inhalt besitzt und welcher mit einem Klick im Papierkorb des E-Mail-Programms landet.

Tipp 1: Auf den Inhalt kommt es an!

Überlegen Sie sich gut, bevor Sie eine Pressemitteilung schreiben, ob ihre Nachrichten für den Redakteur und vor allem die Leser des Mediums relevant und interessant sind. Relevanz ist das oberste Gebot, denn jede Zeitung oder Magazin ist selbst ein Produkt, das nur abonniert und bezahlt wird, wenn die Inhalte den Leser zufriedenstellen. Leider haben es sich einige Zeitgenossen angewöhnt, über alles, wirklich alles, Pressemitteilungen in die ganze Welt zu versenden, ob der Inhalt nun zum Profil passt oder nicht.

Tipp 2: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!

Schon wieder das liebe Geld! Die wenigsten Redaktionen beschäftigen heute noch fest angestellte Fotografen oder Fotoredakteure. Die Budgets für freie Mitarbeiter werden immer weiter gekürzt und nicht jeder schreibende Redakteur ist ein begnadeter Pressefotograf. Daher freut man sich in den Redaktionen über jedes mitgeschickte Pressefoto in einer druckfähigen Auflösung. Fehlende Bilder werden häufig in Bildportalen (wie Fotolia oder Shutterstock) dazugekauft. Oft fehlt diesen Bildern die Authentizität einer Live-Aufnahme. Ein ordentliches Pressefoto gehört zu jeder Pressemitteilung!

Tipp 3: Ein aktueller Duden gehört auf jeden Schreibtisch!

Deutsche Sprache, schwere Sprache. Ein ordentlicher Duden in der aktuellsten Ausgabe gehört auf jeden Schreibtisch! Die meisten Pressetexte werden heute ganz oder teilweise von Content-Management-Systemen per “Copy and Paste” übernommen. Die Zahl der Redakteure wurde in den letzten Jahren immer weiter ausgedünnt und für die vorhandenen Journalisten ist kaum noch die Zeit vorhanden, eigene Texte zu schreiben oder gar fremde Texte zu korrigieren. Oft übernehmen Sie zusätzlich noch die Satzfunktion und bauen den ganzen Tag bis in die Nacht die einzelnen Seiten zusammen, bevor die, zumeist nebenberuflich tätigen,  Korrekturleser im Eilzugtempo auf Fehlersuche gehen.

Tipp 4: Beschränken Sie sich auf das Wesentliche!

“Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.” Was in der Bibel gut funktioniert, findet leider so in Redaktionen kein Gehör. Fassen Sie sich beim Pressemitteilung schreiben eher kurz, denn keine Redakteur hat die Zeit, endlose Texte zu lesen und wichtige Botschaften herauszusuchen. Weisen Sie darauf hin, dass auf Ihrem Blog oder auf der Presserubrik ihrer Webseite zusätzliche Informationen zu finden sind, die ein Journalisten bei Bedarf herunterladen kann. Nennen Sie vollständige Kontaktdaten, mit einem Ansprechpartner für Rückfragen. Dieser sollte zum Zeitpunkt des Versandes nicht gerade im Urlaub oder sonstwie verhindert sein. Glauben Sie mir, das kommt wirklich oft vor!

Tipp 5: Seien Sie auf Fragen vorbereitet!

Hurra, Sie haben es geschafft: Am Telefon ist ein Redakteur ihrer regionalen Tageszeitung, der ihren Pressetext sehr interessant findet und sich für Sie und Ihre Geschäftsidee interessiert. Wie bei Journalisten so üblich, hat er noch ein paar zusätzliche Fragen in petto, auf die Sie so spontan gar keine Antwort wissen: “Wieviel Mitarbeiter haben Sie denn? Wann wurde die Firma gegründet?”usw.. Bereiten Sie sich auf so eine Situation vor. Erstellen Sie einen kleinen Frage- und Antwort-Katalog, z.Bsp. mit wichtige Kennzahlen zu ihrem Unternehmen. Vor allem in der Krisen-Kommunikation kann so eine Vorbereitung lebensnotwendig sein.

Tipp 6: Keine extra Zugänge oder Passwörter, um an Presseinformationen zu kommen.

Eine hundertprozentige Möglichkeit zu verhindern, dass über Sie in den Medien berichtet wird, ist eine verschlossene Presse-Rubrik auf ihrer Webseite. Der “Satz: Registrieren Sie sich und fordern Sie ein Passwort für einen Pressezugang an”, hat den selben Effekt wie ein muskelbepackter Türsteher vor einer Nachtbar. Er signalisiert soviel wie, du bist  hier nicht erwünscht, und sie können darauf wetten, nie wieder von der Presse belästigt zu werden.

To be continued …

Posted on Juli 9, 2014 in Wissen

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